Kleine Chronik

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Vor 150 Jahren... 

Wie überall in Deutschland werden im Zuge der industriellen Revolution in der Zeit um 1860 auch in Mannheim Gesellen- und  Arbeiterbildungsvereine gegründet, die unterstützt von liberalen Teilen des Bürgertums die Situation der arbeitenden Menschen, der Gesellen und Handwerker, der Lohn- und Fabrikarbeiter verbessern und ihre Wohlfahrt fördern sollen. Aber Wirtschaft und Industrie boomen in der nordbadischen Metropole Mannheim dann doch in einem Ausmaß, wie man es bis dahin nur aus dem Ruhrgebiet und aus Sachsen kannte. Vor allem in den gewerkschaftlichen Kreisen will man sich aufgrund der immer schlimmer werdenden sozialen Missstände dann auch nicht mehr länger mit Bücherlesungen, Theateraufführungen und gemeinsamen Spaziergängen im Schwetzinger Schlosspark zufrieden geben. 

 

1867

Als Ferdinand Lassalle im Mai 1863 in Leipzig den „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ (ADAV) als Stammzelle der heutigen SPD ins Leben rief, hat sich das auch in Baden und in der Pfalz ziemlich schnell herumgesprochen. Engagierte, aufgeklärte Mitglieder im Deutschen Tabakverein und in der Organisation der Schneidergehilfen sind nun fest entschlossen, auch in Mannheim ihre Interessen selbst in die Hand zu nehmen. Wohl ab dem Jahr 1867 trifft sich diese Gesinnungsgemeinschaft im „Goldenen Hirsch“, einer Kneipe im Mannheimer Quadrat S 1. Nach heftigen Debatten und Diskussionen wird allen bald klar, dass man sich der Bewegung von Ferdinand Lassalle anschließen will. Doch ganz so einfach ist das nicht, denn der ADAV ist ziemlich straff und zentralistisch organisiert. Es gibt Aufnahmeformalitäten, es müssen Ämter besetzt werden und die erforderlichen Kreuzer für den Mitgliedsbeitrag haben auch nicht alle so locker in der Tasche.

 

1868 

Im Herbst 1868 gelingt es dann aber, Nägel mit Köpfen zu machen. Mit Unterstützung des für Baden zuständigen ADAV-Bevollmächtigten August Forschner, ein aus Offenbach stammender Zigarrenmacher, wird die Gründung der ersten badischen ADAV-Sektion vollzogen. Als Kassierer fungiert Paul Rauchenberger, dem drei Revisoren zur Seite stehen. Und nachdem dies auch in der Neuen Badischen Landeszeitung vom 1. November so publiziert wird, kann dieser Zeitungsartikel quasi als die wohl „erste urkundliche Erwähnung“ der Mannheimer SPD angesehen werden.

 

1869

In der Mannheimer Arbeiterschaft kommt die neugegründete ADAV-Ortsgruppe sehr gut an und hat bald einen Mitgliederstand von über 400 erreicht. ADAV-Agitatoren wie vor allem Leonhard von Bornhorst beginnen von hier aus das gesamte badische Umland zu agitieren. Und der junge Jurastudent Philipp August Rüdt gibt für kurze Zeit die erste Zeitung für die Mannheimer Arbeiterschaft heraus: „Die Waffe“.

Bald zeigt sich aber auch, dass die liberale süddeutsche Gesinnung mit der stark zentralistisch orientierten preußischen ADAV-Führung wenig harmoniert. Vor allem aber auch dem sächsischen Freidenker August Bebel ist das preußische Vormachtstreben innerhalb des ADAV ein Dorn im Auge. Auf dem Allgemeinen deutschen Arbeiterkongress im August 1869 in Eisenach kommt es deshalb zum Eklat. August Bebel und Wilhelm Liebknecht gründen noch vor Ort den Sozialdemokratischen Arbeiterverein (SDAP), um eigene Wege gehen zu können. Auch in Mannheim kommt es daraufhin zu einer solchen Spaltung, welche die politische Arbeit über Jahre hin schwächen wird.

 

1871

Am 18. Januar 1871 findet die Gründung des Deutschen Kaiserreichs statt und die politischen Auseinandersetzungen gewinnen an Schärfe. Auch in Mannheim werden von den badischen Behörden immer häufiger Versammlungen der Sozialdemokraten verboten oder aufgelöst und es kommt zu Verhaftungen.

 

1875

Unter diesem politischen Druck vereinigen sich ADAV und SDAP im Mai 1875 in Gotha wieder zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD).

Dem noch von der Führung des ADAV für Baden bestimmten Agitator August Dreesbach aus Düsseldorf gelingt es, diese Vereinigung auch in Mannheim zu vollziehen und den Vorsitz der

SAPD-Ortsgruppe zu übernehmen. Unter seiner Führung entfaltet die Partei von Mannheim aus eine systematisch betriebene Werbe- und Aufklärungsarbeit, die weit über das Engagement der anderen Parteien hinausging.

 

1877

Im September erscheint unter der Leitung von August Dreesbach das „Badisch-Pfälzische Volksblatt“ als das erste regelmäßig erscheinende Zentralorgan der badischen Sozialdemokratie. Die Obrigkeit wird immer nervöser und versucht mit allen Schikanen die Parteiarbeit zu erschweren.

 

1878

Bei den Reichstagswahlen am 30. Juli kandidiert August Dreesbach erstmals für den Mannheimer Wahlkreis, aber noch ohne Erfolg.

Reichskanzler Otto von Bismarck gelingt es, ab dem 21. Oktober mit dem „Sozialistengesetz“ die unliebsamen und staatsgefährdenden Parteien zu verbieten. Aber trotzdem schaffen es die Mannheimer Sozialdemokraten, sich noch an den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung im Oktober zu beteiligen und als ersten Wahltriumph alle 16 der in der dritten Klasse zur Wahl stehenden Sitze im Bürger-ausschuss zu erobern.

Am 26. Oktober erscheint die letzte Ausgabe des Badisch-Pfälzischen-Volksblatts und die SAPD wird in Baden endgültig verboten.

 

1884

Trotz des verhängten Parteienverbots können Sozialdemokraten als Privatpersonen kandidieren. So gelingt es August Dreesbach bei den Reichstagswahlen am 28. Oktober fast 30 Prozent der Mannheimer Wahlberechtigten für sich zu gewinnen. Und bei den im gleichen Jahr stattfindenden Kommunalwahlen erzielen die Sozialdemokraten ein so gutes Ergebnis, dass August Dreesbach und Franz Königshausen zwei Sitze im Mannheimer Stadtrat erhalten.

 

1890

Bei den Reichstagswahlen am 20. Februar gelingt es August Dreesbach als erstem badischen Sozialdemokraten in den Reichstag einzuziehen. Und dies noch bevor am 1. Oktober nach zwölf Jahren das Sozialistengesetz ausläuft. Die staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen konnten den Aufstieg der Sozialdemokratie nicht stoppen, ja noch nicht einmal bremsen. Bereits am 1. Mai erscheint die erste Ausgabe der Mannheimer „Volksstimme“, das neue und professionell erstellte Organ der Sozialdemokraten in der Quadratenstadt.

Seit dem Parteitag in Halle im Oktober 1890 heißt die Partei jetzt auch „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD).

 

1891 

Nach den für die SPD erfolgreichen Landtagswahlen in Baden ziehen mit August Dreesbach und Philipp August Rüdt erstmals auch Sozialdemokraten in den badischen Landtag ein.

 

1896

Unter der maßgeblichen Beteiligung von August Dreesbach wird ein „Aktionsprogramm der sozialdemokratischen Bürgerausschussmitglieder Badens“ erarbeitet, das vor allem die Aufhebung des Schulgeldes und den freien oder verbilligten Eintritt in Theater, Bibliotheken, Bäder, Gärten und sonstigen sozialen Einrichtungen vorsieht.

 

1898

Bei den Reichstagswahlen im Juni geht die Mannheimer SPD als stärkste Partei hervor und August Dreesbach gewinnt das 1893 verloren gegangene Reichstagsmandat wieder zurück, das er nun auch bis zu seinem Tode 1906 behält.

 

1904

Der junge Sozialdemokrat und Jurist Dr. Ludwig Frank gründet im Oktober gemeinsam mit ungefähr 25 jugendlichen Arbeitern den „Verein junger Arbeiter“ dem bald 400 Mitglieder angehören werden. Bereits ein Jahr zuvor hatte er sich gemeinsam mit dem SPD-Vorstandsmitglied Richard Böttger an der Gründung eines Vereins für Volkshochschulkurse beteiligt.

 

1905

Therese Blase und Lina Kehl gründen im April in Mannheim den sozialdemokratischen Frauenverein, den sie ein Jahr später als erste Frauengruppe der Mannheimer SPD anschließen.

 

1906

Die Mannheimer Partei wächst unaufhaltsam weiter und zählt inzwischen 4.600 Mitglieder. Mit großem Stolz begrüßt daher August Dreesbach die 400 Delegierten, die sich vom 23. bis 29. September im Rosengarten zum Mannheimer SPD-Parteitag versammelt haben. Bei diesem historischen Ereignis wird in einem „Mannheimer Abkommen“ die wachsende Eigenständigkeit der Gewerkschaften anerkannt.

Wenige Wochen später stirbt August Dreesbach. Sein Nachfolger im Reichstag wird Dr. Ludwig Frank.

 

1907

Die Mannheimer SPD beschließt die Anstellung eines hauptamtlichen Parteisekretärs. Heinrich Schaefer übernimmt am 1. Januar dieses Amt und die Leitung der neu eingerichteten Geschäftsstelle. Im April wird in S 2, 1 ein eigener Parteibuchladen eröffnet.

 

1908

Die Partei bildet in Mannheim einen Jugendausschuss, dem auch Jugendliche ab 18 Jahren angehören können. In M 2, 4 erhält die Arbeiterjugend ein eigenes Domizil.

Von 1908 bis 1933 wird Mannheim Sitz des Landesverbandes der badischen SPD. Der Mannheimer Anton Geiß wird Landesvorsitzender.

 

1911

Bei den Kommunalwahlen erhält die SPD in der dritten Klasse, in der die Arbeiter wählen, über 72 Prozent der Stimmen. Noch im gleichen Jahr wird auf ihr Drängen hin eine kommunale Arbeitslosenversicherung eingeführt.

 

1912

Bei den Reichstagswahlen am 12. Januar vereinigt die Partei fast 59 Prozent der Stimmen auf sich und Dr. Ludwig Frank kann gestärkt wieder in den Reichstag einziehen.

 

1914

Im Juni zählt die SPD in Mannheim 7.655 Mitglieder und erreicht damit den höchsten Mitgliederstand ihrer Geschichte und ist mit Abstand der größte Ortsverein in Baden.

Der Erste Weltkrieg bricht aus. Am 1. August erklärt auch Deutschland Russland den Krieg. Noch am 29. Juli hat Dr. Ludwig Frank im Mannheimer Rosengarten unter dem Beifall von 6.000 Zuhörern den Friedenswillen der SPD beschworen. Aber schon wenige Tage später stimmen die Sozialdemokraten im Reichstag den Kriegskrediten zu und schließen mit ihren Gegnern den „Burgfrieden“.

Dr. Ludwig Frank meldet sich als Kriegsfreiwilliger und fällt bereits am 3. September in Lothringen. Oskar Geck wird sein Nachfolger im Reichstag.

 

1917

Der innenpolitische „Burgfrieden“ polarisiert die Sozialdemokratie. Im April gründen die Gegner der Kriegskreditbewilligung die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei“ (USPD), die sich auch in Mannheim als eigenständige Partei formiert und im Mai im Mannheimer Wahlkreis auch für den Reichstag kandidiert. Die SPD wird zur „Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (MSPD).

 

1918

In Deutschland ist Revolution. Der Kaiser wird zur Abdankung gezwungen und flieht nach Holland. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft am 9. November in Berlin die Deutsche Republik aus.

Wie vielerorts im Reich wird auch in Mannheim ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, aber auf Druck der französischen Truppen, die Ludwighafen besetzt halten, wieder aufgelöst.

 

1919

Die Auseinandersetzungen in der politisch organisierten Arbeiterbewegung werden immer chaotischer. In Berlin wird die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD) gegründet, die bald auch in Mannheim eine Ortsgruppe bildet.

Der Mannheimer Sozialdemokrat Anton Geiß wird am 15. Januar zum ersten Staatspräsident der badischen Nationalversammlung gewählt. Therese Blase zieht als erste Sozialdemokratin in das neue badische Parlament ein.

Trotz der Spaltung der Arbeiterparteien erzielt die MSPD in Mannheim bei den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar mit 56 Prozent das beste Ergebnis. Am 11. Februar wird der Sozialdemokrat Friedrich Ebert zum deutschen Reichspräsident gewählt.

Auch bei den Stadtverordnetenwahlen am 18. Mai gelingt es den Mannheimer Sozialdemokraten mit Georg Strobel und Richard Böttger erstmals zwei besoldete Stadträte zu stellen. Böttger rückt 1926 auch bis zum Bürgermeister auf. Strobel wird 1920 zum neuen Landesvorsitzenden gewählt.

 

1922

Am 24. September schließen sich MSPD und USPD wieder zusammen, nachdem der Linke Flügel der USPD zur KPD abgewandert ist. Am 20. Oktober findet auch in Mannheim die erste Versammlung der wieder vereinigten SPD statt.

 

1924

Rudolf Freidhof löst den langjährigen Vorsitzenden der Mannheimer SPD,
Richard Böttger, ab und Georg Reinbold wird der neue Landesvorsitzende der badischen SPD.

Inflation und Wirtschaftskrise verunsichern die Bevölkerung und verstärken den Zulauf zu den extremen Parteien. Bei den Reichstagswahlen am 5. Mai erreicht die SPD in Mannheim daher nur noch 25 Prozent. Bei den zweiten Wahlen des Jahres im Dezember wird sie aber mit fast 33 Prozent wieder deutlich stärkste Partei.

 

1925

Am 28. Februar stirbt Friedrich Ebert und Paul von Hindenburg wird neuer Reichspräsident. Vorsitzender der SPD-Reichstagsfraktion ist der Mannheimer Hermann Müller, der 1928 auch zum letzten freien Reichskanzler gewählt wird.

 

1928

Nach den für die SPD erfolgreichen Stadtverordnetenwahlen wird Dr. Hermann Heimerich am 30. Januar als erster Sozialdemokrat zum Oberbürgermeister der Stadt Mannheim gewählt.

Der Gewerkschaftssekretär Ernst Kraft wird neuer Vorsitzender der Mannheimer SPD und Jakob Sommer unterstützt ihn als hauptamtlicher Parteisekretär. Unter ihrer Führung erreicht die Mannheimer SPD bei den Reichstagswahlen wieder beste Ergebnisse.

 

1930

Bereits bei den badischen Landtagswahlen im Oktober 1929 wurden die Verfallserscheinungen der Weimarer Demokratie und das Erstarken der Nationalsozialisten offenbar. Diese verhängnisvolle Entwicklung setzt sich auch bei den im Jahr 1930 stattfindenden Wahlen zum Reichstag und zur Mannheimer Stadtverordnetenversammlung unaufhaltsam fort. 

Gleichwohl ist die Mannheimer SPD auf allen politischen Ebenen personell immer noch bestens aufgestellt. Im Reichstag wird sie durch den badischen Justizminster Adam Remmele vertreten, der viele Jahre lang als Redakteur bei der in Mannheim erscheinenden „Volksstimme“ tätig war. Unter der Redaktion von Heinrich Harpuder und Gustav Zimmermann ist diese Parteizeitung inzwischen mit 23.000 Exemplaren die auflagenstärkste Parteipublikation in Baden.

 

1931

Anstatt die sozialdemokratischen Kräfte zu bündeln, führen im Oktober innerparteiliche Querelen dazu, dass sich auf Reichsebene die Parteilinken in der SPD zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ (SAPD) zusammenschließen. Auch in Mannheim wird eine Ortsgruppe der SAPD gegründet, findet aber nur wenig Zulauf. Dagegen wächst die SPD auf über 7.000 Mitglieder an.

 

1932

Im Juni wird der Gewerkschaftssekretär Jakob Trumpfheller zum neuen Vorsitzenden der SPD Mannheim gewählt und löst damit Ernst Kraft ab.

Aber trotz allen politischen Anstrengungen setzt sich die Radikalisierung der Wähler fort und die SPD wird zunehmend zwischen den nationalsozialistischen und kommunistischen Kräften zerrieben. Bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli wird auch in Mannheim die SPD mit knapp 24 Prozent erstmals nur noch zweitstärkste Partei. 

 

1933

Reichspräsident Hindenburg ernennt Adolf Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler und löst den Reichstag auf. Bei den danach letzten halbfreien Reichstagswahlen am 5. März kann sich die SPD  in Mannheimer zwar nochmals mit 22 Prozent gut behaupten, aber mit der Einrichtung des NSDAP-Reichskommissariats in Baden erfolgt nun auch hier die gewaltsame Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Am 11. und 12. März werden Oberbürgermeister Dr. Hermann Heimerich sowie fast die gesamte Mannheimer SPD-Führung in „Schutzhaft“ genommen.

Während im Berliner Reichstag die SPD am 23. März nochmals tapfer gegen das von Hitler gewollte Ermächtigungsgesetz stimmt, beginnen sich die Mannheimer Sozialdemokraten auf die Illegalität vorzubereiten. Am 23. Juni wird die SPD in Baden offiziell verboten. Dem SPD-Landesvorsitzenden Georg Reinbold gelingt es noch rechtzeitig nach Straßburg zu fliehen, von wo aus er die illegale Parteiarbeit in Südwestdeutschland zu organisieren versucht.

Unter der maßgeblichen Beteiligung von Georg Gräber, Hans Heilig, Jakob Baumann, Karl Mayer und vor allem Jakob Ott gelingt es auch in Mannheim eine tatkräftige Widerstandsgruppe aufzubauen, geheime Versammlungen einzuberufen und die im Ausland hergestellten Flugblätter zu verteilen.

 

1934

Im Oktober holt die Gestapo zu ihrem ersten großen Schlag gegen die illegale SPD in Mannheim aus. Viele Sozialdemokaten werden verhaftet oder können, wie Jakob Ott, nach Frankreich zu Georg Reinbold fliehen.

 

1936

Im April setzt die letzte große Verhaftungswelle ein und die Widerstandsbewegung weitgehend zerschlagen. Die Aktivsten unter ihnen werden zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.

 

1939

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September entfesselt Deutschland den Zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf auch Mannheim in Schutt und Asche versinkt.

 

1945  

Im März erfolgt die Besetzung Mannheims durch die amerikanischen Truppen. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Carl Renninger setzt sich ab. Die Stadtverwaltung löst sich auf.

Trotz des anfänglichen Widerstandes der amerikanischen Militärbehörden beginnt sich die Mannheimer SPD sofort wieder zu reorganisieren. Jakob Trumpfheller, bis 1933 Vorsitzender der Partei, koordiniert als unbestrittener alter und neuer Parteichef den organisatorischen Wiederaufbau. Die ersten Versammlungen finden im Keller des zerstörten Redaktionsgebäudes der „Volksstimme“ in R 3 statt.

Notgedrungen akzeptiert die Besatzungsmacht, dass bei der am 1. Juli gebildeten provisorischen Stadtverwaltung drei Sozialdemokraten wieder die Führung übernehmen: Dr. Fritz Cahn-Garnier als Stadtsyndikus, Richard Böttger und Gustav Zimmermann als Referatsleiter. Kein Sozialdemokrat war der frühere Stadtoberbaurat Josef Braun, der von den Amerikanern als kommissarischer Oberbürgermeister eingesetzt wird.

Auf Antrag von Jakob Trumpfheller und Jakob Sommer genehmigen schließlich die Militärbehörden am 2. Oktober auch die Wiederzulassung der Mannheimer SPD. Am 10. Oktober findet in der Wohlgelegen-Schule die erste ordentliche Parteiversammlung statt. Die SPD hat bereits wieder über 300 Mitglieder und bis Ende des Jahres sind es 1.460. 

 

1946

Bei den ersten Kommunalwahlen am 26. Mai erringt die SPD 40 Prozent der abgegebenen Stimmen und wird damit auf Anhieb die stärkste Partei in der Quadratestadt. Vorausgegangen war ein Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD mit der kommunistischen KPD.

Das neugewählte Mannheimer Stadtparlament bestätigt am 10. Juni den amtierenden Oberbürgermeister Josef Braun. Jakob Trumpfheller wird zum Ersten und Richard Böttger zum Zweiten Bürgermeister ernannt.

Bei den ersten badischen Landtagswahlen am 24. November erzielt die SPD ebenfalls über 40 Prozent. Für Mannheim ziehen in das neue Landesparlament ein: Kurt Angstmann als jüngster SPD-Abgeordneter, Gustav Zimmermann, Georg Fischer und Dr. Fritz Cahn-Garnier, der zu diesem Zeitpunkt bereits Finanzminister der ersten württemberg-badischen Landesregierung ist.

Am 11. November findet auf Einladung von Jakob Trumpfheller in den Motorenwerken Mannheim die erste Generaldelegiertenversammlung der Mannheimer SPD statt. Dies ist die Geburtsstunde des SPD-Kreisverbandes Mannheim in seiner noch heute bestehenden Struktur. Jakob Trumpfheller wird einstimmig als Vorsitzender bestätigt. Sein Stellvertreter wird Karl Mayer, Schriftführer Franz Lockemann. Als Beisitzer fungieren Georg Gräber, Willi Aspenleiter, Fritz Esser, Jakob Baumann, Karl Hettinger und Lena Maurer.

 

1947

Die Mannheimer SPD hat zu diesem Zeitpunkt bereits 3.715 Mitglieder. SPD-Stadtrat Jakob Ott übernimmt von Jakob Sommer das Amt des Parteisekretärs, das er dann auch bis zu seinem Tode im Jahre 1966 innehat.

 

1948

Bei der ersten ordentlichen Direktwahl eines Oberbürgermeisters in Mannheim am 1. Februar setzt sich der Sozialdemokrat Dr. Fritz Cahn-Garnier gegen den von den Amerikanern eingesetzten Josef Braun durch.

 

1949

Am 23. Mai tritt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

Nach dem plötzlichen Tod von OB Dr. Fritz Cahn-Garnier wird am 31. Juli Dr. Hermann Heimerich 16 Jahre nach seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten erneut zum Mannheimer Oberbürgermeister gewählt.

Bei den Wahlen zum 1. Deutschen Bundestag am 14. August erringt die SPD mit 38,3 Prozent den höchsten Stimmenanteil. Für den Wahlkreis Mannheim I zieht Prof. Dr. Carlo Schmid in das Parlament ein und vertritt dort als Sozialdemokrat die Stadt Mannheim bis 1972.

Nach dem Tod von Gustav Zimmermann rückt Lena Maurer in den badischen Landtag, dem sie dann auch bis 1968 angehört.

In der Tradition der sozialdemokratischen „Volksstimme“ vor 1933 erscheint am 1. August die erste Ausgabe der „Abend-Zeitung für Nordbaden und die Pfalz“. Aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen kann sich das Blatt jedoch später nur sehr schwer behaupten. Im Jahre 1971 wird die „AZ“ deshalb wieder eingestellt.

 

1951

Bei den Gemeinderatswahlen am 28. Januar entfallen 42,6 Prozent der Stimmen auf die SPD. Unter den neuen SPD-Stadträten ist auch Georg Fischer, der 1955 den SPD-Fraktionsvorsitz von Jakob Sommer übernimmt.

 

1955

Bei der Wahl des Mannheimer Oberbürgermeisters am 11. September muss die SPD erstmals eine herbe Niederlage einstecken. Als Nachfolger des Sozialdemokraten Dr. Hermann Heimerich wird mit knapper Mehrheit der parteilose Dr. Hans Reschke gewählt.

Über die Landesliste rückt der Rektor an der Mannheimer Ingenieurschule Prof. Dr. Ludwig Ratzel für die SPD in den Deutschen Bundestag nach.

 

1956

Der langjährige Vorsitzende der Mannheimer SPD, Jakob Trumpfheller, tritt von seinem Amt zurück. Neuer Vorsitzender wird Prof. Dr. Ludwig Ratzel.

Nach der Gemeinderatswahl am
11. November übernimmt Korbinian Heckl den Vorsitz in der SPD-Fraktion als Nachfolger von Georg Fischer.

 

1959

Am 8. September wählt der Mannheimer Stadtrat den SPD-Kreisvorsitzenden Prof. Dr. Ludwig Ratzel als Nachfolger von Jakob Trumpfheller zum Ersten Bürgermeister der Stadt Mannheim. Sein Amt als Bundestagsabgeordneter legt er nieder.

 

1961

Bei den Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag rückt neben Prof. Dr. Carlo Schmid der Mannheimer Sozialdemokrat Dr. Paul Kübler über die Landesliste für den Wahlkreis Mannheim II in den Bundestag nach. 1965 gewinnt er diesen zweiten Mannheimer Wahlkreis auch erstmals direkt.

 

1964

Unter der Ägide des Ersten Bürgermeisters und Kreisvorsitzenden Prof. Dr. Ludwig Ratzel steht die Beseitigung der Wohnungsnot in Mannheim an erster Stelle. Mit dem größten Wohnungsbauprojekt, dem neuen Stadtteil Vogelstang für geplante 20.000 Einwohner, wird im Jahre 1964 begonnen.

 

1966 

Auf dem SPD-Landesparteitag im April wird der Mannheimer Schulbürgermeister Walter Krause zum neuen SPD-Landesvorsitzenden gewählt. Er löst Alex Möller ab.

Mit Bildung der Großen Koalition im Dezember werden in der neuen Stuttgarter Landesregierung Kurt Angstmann zum Finanzminister und Walter Krause zum Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt.

Nachfolger von Walter Krause im Mannheimer Schuldezernat wird Manfred David.

Dr. Karl-Otto Watzinger wird Bürgermeister für Personal-, Rechts- und Ordnungswesen.

 

1967 

Mit einem Festakt im Rosengarten begeht die Mannheimer SPD im Oktober ihr 100jähriges Parteijubiläum. In seiner Festansprache versichert Prof. Dr. Carlo Schmid, dass die SPD ihr Ideal von einer Welt der Freiheit, des Friedens und des Rechts niemals aufgeben werde.

 

1968

Korbinian Heckl gibt nach elf Jahren sein Amt als Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion an Prof. Dr. Hans-Georg Schachtschabel ab.

Fritz Esser zieht als Nachfolger von Lena Maurer in den baden-württembergischen Landtag ein.

 

1969

Der Sozialdemokrat Gustav Heinemann wird Bundespräsident und Willy Brandt Bundeskanzler der sozialliberalen Koalition. Auch die Mannheimer SPD profitiert von diesem politischen Aufschwung und kann über 500 Neueintritte in die Partei verbuchen.

Prof. Dr. Hans-Georg Schachtschabel gewinnt nach Dr. Paul Kübler den Wahlkreis Mannheim II.

 

1971

Die Mannheimer SPD befindet sich in einem Aufwärtstrend. Mit fast 47 Prozent erreicht sie am 24. Oktober ihr bestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl in der Nachkriegszeit und verfügt nun über 23 von 48 Mandaten. Der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion ist Werner Nagel, der 1970 das Amt von Prof. Dr. Hans-Georg Schachtschabel übernommen hat.

 

1972

Bei den Landtagswahlen am 23. April erzielen die Sozialdemokraten über 52 Prozent der Stimmen und neben Walter Krause ziehen Walter Spagerer und Dr. Helmut Münch in den Landtag ein.

Mit großer Mehrheit wählt die Mannheimer Bürgerschaft am 2. Juli den bisherigen Ersten Bürgermeister Prof. Dr. Ludwig Ratzel zum neuen Oberbürgermeister der Stadt. Sein Nachfolger als Vorsitzender des Mannheimer SPD-Kreisverbandes wird Herbert Lucy.

Bei der im November 1972 stattfindenden Bundestagswahl kann die Mannheimer SPD mit fast 54 Prozent ihr bestes Bundes- bzw. Reichstagsergebnis seit 1912 erzielen. Werner Nagel zieht als Nachfolger von Carlo Schmid in den Bundestag ein.

Damit wird Mannheim wie vor der Jahrhundertwende in Baden nun auch in Baden-Württemberg wieder zur unbestrittenen SPD-Hochburg.    

 

1974

Am 6. Mai tritt Bundeskanzler Willy Brandt zurück.

 

1975

„Mannheim in guten Händen“ - mit diesem Motto zieht die SPD mit Walter Pahl an der Spitze in die Gemeinderatswahl am 20. April, dem Jahr der Bundesgartenschau in Mannheim. Die meisten Stimmen auf der Liste erhält Lena Maurer.

Im November findet zum zweiten Mal nach 1906 ein SPD-Parteitag in Mannheim statt.

1976

Aus beruflichen Gründen stellt Herbert Lucy sein Amt als Kreisvorsitzender zur Verfügung. Auf der Kreisdelegiertenversammlung am 29. Mai wird Karl Feuerstein zu seinem Nachfolger gewählt.

 

1980

Vor der Landtagswahl am 16. März erklärt Walter Krause, dass er nach 28 Jahren nicht mehr länger dem Landesparlament angehören möchte. Für ihn zieht Jörg Ueltzhöffer über die Zweitauszählung in den Landtag ein.

Max Jaeger hatte im Mannheimer Gemeinderat 1977 den SPD-Fraktionsvorsitz von Walter Pahl übernommen. Mit ihm an der Spitze zieht man nun in die Gemeinderatswahlen am 22. Juni. Neuer Fraktionsvorsitzender wird dann Gerhard Widder.

Am 20. Juli wählt die Mannheimer Bürgerschaft den bisherigen Stadtkämmerer und Ersten Bürgermeister Wilhelm Varnholt im 2. Wahlgang nach Dr. Ludwig Ratzel zum neuen Oberbürgermeister.

Sein Nachfolger im Amt des Finanzbürgermeisters wird Dr. Norbert Egger.

 

1983 

Das Ende der sozialliberalen Koalition in Bonn spiegelt sich auch bei den Bundestagswahlen am 6. März in Mannheim wider. Nur Werner Nagel schafft wieder den Einzug in das Parlament. Der Wahlkreis Mannheim II geht verloren.

Kaum hat die Partei den Bundestagswahlkampf verkraftet, erschüttert der plötzliche Tod von Oberbürgermeister Wilhelm Varnholt am 5. April die Mannheimer Sozialdemokraten. Mit einer beispiellosen Kraftanstrengung und Wahlkampfauftritten von Willy Brandt und Hans-Jochen Vogel gelingt es jedoch dem Fraktionsvorsitzenden Gerhard Widder im zweiten Wahlgang das Vertrauen der Mannheimerinnen und Mannheimer zu gewinnen und neuer Oberbürgermeister der Stadt zu werden.

  

1984

Bei den Gemeinderatswahlen am 28. Oktober erzielt die SPD wieder mit Walter Pahl an der Fraktionsspitze 42,1 Prozent der Wählerstimmen.

 

1988

Nach heftigen Debatten und viel Kritik aus den Reihen der Partei wird Karl Feuerstein mit 64 Prozent zum 7. Mal zum Vorsitzenden des SPD-Kreisverbandes gewählt.

Zuvor hat die SPD bei der Landtagswahl am 20. März ein passables Ergebnis von 46 Prozent erreicht. Gewählt werden Dr. Helmut Münch und erstmals Stadtrat Rolf Seltenreich, um dessen Kandidatur es zuvor im Kreisverband zu einem erbitterten Machtkampf mit seinem Konkurrenten Heinz Egermann gekommen war. Walter Spagerer und Jörg Ueltzhöffer scheiden aus.

Im August kann Dr. Konstanze Wegner im Wahlkreis Mannheim II in den Bundestag nachrücken.

Stadtrat Lothar Mark wird neuer Mannheimer Bürgermeister für Schule, Kultur und Sport.  

 

1989

Während nach dem Fall der Berliner Mauer in Deutschland Jubelstimmung herrscht, grübeln die Mannheimer Sozialdemokraten und ihr neuer Fraktionsvorsitzender Herbert Lucy über das schlechte Ergebnis bei den Kommunalwahlen am 22. Oktober mit nur noch 33,2 Prozent. Vier Mandate gehen verloren. SPD-Kreisvorsitzender Karl Feuerstein führt dieses Wahldebakel auf die innerparteilichen Querelen und persönlichen Anfeindungen im Kreisvorstand zurück, welche die Partei auch nach außen hin massiv geschwächt hätten.

 

1990 

Nach 14 Jahren endet die Ära von Karl Feuerstein als Kreisvorsitzender der Mannheimer SPD. Auf der Kreisdelegierten-Hauptversammlung am 31. März wird Baubürgermeister Lothar Quast mit großer Mehrheit zu seinem Nachfolger gewählt.

Bei den ersten Bundestagswahlen nach der deutschen Wiedervereinigung am 2. Dezember erringt Siegfried Vergin in der Nachfolge von Werner Nagel das Direktmandat im Mannheimer Wahlkreis I. Auch Dr. Konstanze Wegner bleibt über die Landesliste weiterhin im Bundestag vertreten.

 

1991

Bei den OB-Wahlen am 9. Juni wird Oberbürgermeister Gerhard Widder bereits im ersten Wahlgang mit 55,7 Prozent wiedergewählt. 

Im Oktober eröffnet die Mannheimer SPD ihre neue Regionalgeschäftsstelle in H 1 am Marktplatz. Neuer Geschäftsführer wird Jochen Schneider, der den langjährig tätigen Wolfgang Eller ablöst.

 

1992

Bei den Landtagswahlen am 5. April schafft es der Mannheimer DGB-Vorsitzende Max Nagel das Direktmandat von Dr. Helmut Münch im Mannheimer Norden zu übernehmen. Rolf Seltenreich kann über die Zweitauszählung in das Parlament in Stuttgart einziehen.

 

1994

Die Mannheimer Sozialdemokraten ziehen mit dem 32jährigen Fraktionsvorsitzenden Peter Kurz in die Gemeinderatswahl am 12. Juni und gewinnen nach der letzten Wahlschlappe mit 18 von 48 Plätzen wieder einen Sitz hinzu. Peter Kurz hat den Fraktionsvorsitz von Herbert Lucy nach dessen Tod im Januar übernommen.

Bei den Bundestagswahlen am 16. Oktober verliert die Mannheimer SPD erstmals das Direktmandat im Wahlkreis seit 1949. Siegfried Vergin schafft nur über die Landesliste den Einzug ins Parlament.

 

1995

Auf dem am 15./16. November zum dritten Mal in Mannheim stattfindenden SPD-Parteitag löst Oskar Lafontaine nach einer turbulenten Kampfkandidatur den SPD-Parteivorsitzenden Rudolf Scharping ab.

 

1998 

Mit dem Ziel, die SPD in Mannheim wieder zur Nummer 1 zu machen, wird Manfred Falkenberg am 7. März zum neuen SPD-Kreisvorsitzenden gewählt und tritt damit die Nachfolge von Lothar Quast an. Bereits ein Jahr zuvor hatte Christian Hübel das Amt des SPD-Regionalgeschäftsführers von Jochen Schneider übernommen.

Mit einem Stimmergebnis von fast 49 Prozent gelingt es Bürgermeister Lothar Mark bei der Bundestagswahl am 27. September auf Anhieb wieder das Direktmandat für Mannheim zurück zu holen. Er tritt damit die Nachfolge von Sigfried Vergin an.

Und Dr. Konstanze Wegner schafft es mit fast 47 Prozent auch den Wahlkreis Mannheim II nach vielen Jahren wieder direkt zu gewinnen.

 

1999 

Als einen „Arbeitssieg“ bezeichnet es der Kreisvorsitzende Manfred Falkenberg, als es Gerhard Widder am 18. Juli bei der Oberbürgermeisterwahl erst beim zweiten Wahlgang gelingt, ein drittes Mal in das höchste Amt der Stadt gewählt zu werden.

Der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion Dr. Peter Kurz wird als Nachfolger von Lothar Mark Bürgermeister für Bildung, Kultur und Sport.

Den Fraktionsvorsitz übernimmt danach Stadträtin Elke Stegmeier. Sie ist es auch, welche die Partei in die Kommunalwahl am 24. Oktober führt, nachdem der für den Spitzenplatz vorgesehene Karl Feuerstein krankheitsbedingt diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen kann.

Zuvor wird im Kreisverband mit Hilfe von neuen Kommunikations- und Diskussionsformen versucht, auf möglichst breiter Basis eine „Kommunalwahlplattform 1999“ zu erarbeiten, mit der die Mannheimer Bürgerschaft für die sozialdemokratischen Zielsetzungen gewonnen werden soll.

Umso größer ist dann der Schock, als nach der Stimmauszählung feststeht, dass die Mannheimer SPD erstmals ihren Status als stärkste Gemeinderatsfraktion verloren hat.

Bernd Safferling wird neuer Regionalgeschäftsführer der Mannheimer SPD.

Zur Jahrtausendwende gehören dem Kreisverband etwa 2.400 Parteimitglieder an.

 

2001

Am 10. Februar versammelt sich die SPD Baden-Württemberg zu ihrem Landesparteitag im Mannheimer Rosengarten.

Bei der Landtagswahl am 25. März erzielt Max Nagel mit 47,7 Prozent das landesweit beste Stimmergebnis. Rolf Seltenreich kommt wieder über die Zweitauszählung ins Parlament. 

Ab März übernimmt Dr. Frank Mentrup den Vorsitz in der SPD-Gemeinderatsfraktion.

Mit einer von Manfred Falkenberg initiierten und von Stadtrat Dr. Stefan Fulst-Blei organisierten Qualifizierungsoffensive versucht der Kreisverband die Parteiarbeit zu professionalisieren.

Im Spätsommer bezieht die Mannheimer SPD-Regionalgeschäftsstelle neue Räume in H2, 4.

 

2002

Nachdem Manfred Falkenberg aus persönlichen Gründen für eine weitere Kandidatur nicht mehr zur Verfügung steht, wird am 20. April seine bisherige Stellvertreterin Helen Heberer als neue SPD-Kreisvorsitzende gewählt. Damit steht in der Geschichte der Mannheimer SPD zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Partei.

Mit einem Erststimmenergebnis von 48,5 Prozent bei den Bundestagswahlen am 22. September erhält Lothar Mark wieder souverän das Mannheimer Direktmandat. Dr. Konstanze Wegner scheidet durch die Auflösung des Wahlkreises Mannheim II aus dem Parlament aus.

 

2004    

Nach dem Tod von Max Nagel am 20. März rückt Roland Weiß in den Landtag in Stuttgart nach.

Mit Dr. Frank Mentrup an der Spitze versuchen die Mannheimer Sozialdemokraten bei den Gemeinderatswahlen am 13. Juni wieder stärkste Fraktion zu werden. Doch mit einem Stimmenanteil von 32 Prozent wird dieses Ziel verfehlt und ein weiterer Sitz im Stadtrat geht verloren.

 

2006   

Einen personellen Wechsel bringen die Wahlen zum baden-württembergischen Landtag am 26. März. Mit einem stadtweiten Stimmenanteil von knapp 34 Prozent können erstmals Dr. Frank Mentrup direkt und Helen Heberer über die Zweitauszählung in das Parlament in Stuttgart einziehen.

Als Nachfolger von Dr. Frank Mentrup übernimmt im Oktober Dr. Stefan Fulst-Blei den Vorsitz in der Mannheimer SPD-Stadtratsfraktion.

 

2007

Im Jubiläumsjahr 400 Jahre Mannheim geht eine Ära zu Ende. Mit 24 Dienstjahren ist der Sozialdemokrat Gerhard Widder der nunmehr am längsten amtierende Oberbürgermeister in der Geschichte der Quadratestadt. Bereits ein Jahr zuvor haben die Mannheimer Sozialdemokraten auf einer Nominierungskonferenz beschlossen, dass Kulturbürgermeister Dr. Peter Kurz bei der Oberbürgermeisterwahl am 17. Juni  Widders Nachfolger werden soll und dann dafür auch einen engagierten Wahlkampf geführt.

„Und es hat sich gelohnt“, triumphiert SPD-Kreisvorsitzende Helen Heberer. Denn Dr. Peter Kurz erreicht bereits im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit mit 50,5 Prozent.

 

2008

Nachdem sich Helen Heberer auf ihre Arbeit im Stadtrat und im Landesparlament konzentrieren will, wählen die Mannheimer Sozialdemokraten am 19. April  ihren bisherigen Stellvertreter Wolfgang Katzmarek zum neuen Kreisvorsitzenden.

 

2009

Ab Januar übernimmt Alexander Lucas die SPD-Regionalgeschäftsstelle von Bernd Safferling.

Bei ihrem zweiten Anlauf gelingt es der SPD bei den Mannheimer Gemeinderatswahlen am 7. Juni unter der Führung des Fraktionsvorsitzenden Dr. Stefan Fulst-Blei mit 30,6 Prozent wieder die stärkste Fraktion im Mannheimer Gemeinderat zu werden.

Bei den ebenfalls am 7. Juni stattfindenden Wahlen zum Europaparlament schafft es der Mannheimer Peter Simon in das Straßburger Parlament einzuziehen. Damit sind die Mannheimer Sozialdemokraten auch wieder auf europäischer Ebene vertreten.

Ein schwerer Schlag ist es dann aber, als nach dem plötzlichen Rückzug von Lothar Mark der kurzfristig eingesprungene DGB-Vorsitzende Stefan Rebmann bei den Bundestagswahlen am 27. September das Direktmandat verpasst und erst 2011 als Nachrücker über die Landesliste in den Bundestag einziehen kann.

Ein weiterer Verlust ist es für die SPD Mannheim, dass sie ab 2010 erstmals seit über 140 Jahren ihren Parteisitz in Mannheim verliert und künftig von einem Regionalzentrum mit Sitz in Heidelberg betreut wird, da sich der SPD-Landesverband aus finanziellen Gründen zu einer Zusammenlegung der Geschäftsstellen gezwungen sah. Eine Situation, welche die Mannheimer Sozialdemokraten nur sehr schwer akzeptieren können - war Mannheim doch einst das unbestrittene Zentrum der Partei für ganz Baden.

 

2011

Durch den Wegzug von Dr. Frank Mentrup entstehen im Vorfeld der Landtagswahl am 27. März in der Mannheimer SPD personelle Turbulenzen in deren Verlauf Fraktionschef Dr. Stefan Fulst-Blei kurzfristig als Kandidat nominiert wird. Gleichwohl gelingt es ihm, das Direktmandat im Mannheimer Norden wieder zu holen. Helen Heberer schafft über die Zweitauszählung erneut den Einzug in den Landtag. Wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck der nuklearen Fukushima-Umweltkatastrophe in Japan kommt die SPD hinter den Grünen jedoch nur noch auf den dritten Platz.

Die Mannheimer SPD-Kulturdezernentin Gabriele Warminski-Leitheußer wird Bildungsministerin in der neuen grün-roten Landesregierung. Ihr folgt die Sozialdemokratin Dr. Ulrike Freundlieb im Amte nach.

Ralf Eisenhauer übernimmt den SPD-Fraktionsvorsitz im Gemeinderat von Dr. Stefan Fulst-Blei.

 

2013

Bei den Bundestagswahlen am 22. September reichen die von Stefan Rebmann erzielten 32,4 Prozent wiederum nicht aus, um das Direktmandat für Mannheim zurück zu holen. Er kann diesmal jedoch über die Landesliste in das Berliner Parlament einziehen.

 

2014  

Mit „fairen Regeln“ für den Kommunalwahlkampf stellen die Mannheimer Sozialdemokarten auf einer Nominierungskonferenz am 25. Oktober 2013 ihre Kandidatenliste für die Gemeinderatswahlen am 25. Mai zusammen. Auf Platz eins steht Ralf Eisenhauer. Aber am Ende kommt es zu einem enttäuschenden Ergebnis. Zwar reicht es prozentual aus, wieder die stärkste Fraktion zu werden, aber aufgrund der Anzahl der vertretenen Parteien schrumpft die Fraktion auf nur noch 13 von 48 Mandaten zusammen.

Bei der ebenfalls am 25. Mai stattfindenden Europawahl kann Peter Simon sein Mandat verteidigen und darf seine engagierte Arbeit im Europäischen Parlament fortsetzen. 

 

2015 

Bei den Oberbürgermeisterwahlen am 14. Juni gelingt es Dr. Peter Kurz nach einem intensiven Wahlkampf im zweiten Wahlgang erneut zum Oberbürgermeister von Mannheim gewählt zu werden. Ein historisches Tief erreicht jedoch die Wahlbeteiligung von nur 28,7 Prozent.

 

2016

Wie bereits in den vorangegangenen Wahlen beeinflusst das zunehmende Auftreten von populistisch agierenden Parteien immer deutlicher die Stimmergebnisse. Zu einem Desaster für die Mannheimer Sozialdemokraten werden demzufolge auch die Wahlen zum baden-württembergischen Landtag am 13. März. Dr. Stefan Fulst-Blei kann erstmals das Direktmandat im Mannheimer Norden nicht gewinnen und ist auf die Zweitauszählung angewiesen. Ebenso Dr. Boris Weirauch, der als Nachfolger von Helen Heberer in den Landtag einzieht.

Landesweit hat die SPD mit 12,68 Prozent ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis in der Nachkriegszeit eingefahren und ihre bisherige Beteiligung an der Landesregierung geht mit der Bildung einer grün-schwarzen Koalition verloren.

 

2017

Nach der stetig rückläufigen Entwicklung über die Jahre hinweg hat die Zahl der Mitglieder im SPD-Kreisverband Mannheim inzwischen einen Stand von 1.700 erreicht.

Doch es zeigt sich ein Silberstreif am Horizont, wenn die Mannheimer Sozialdemokraten am 31. März in der Rheingoldhalle ihr 150jähriges Jubiläum feiern. Festredner ist der neue SPD-Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Ein willkommener Hoffnungsträger, der bereits viele Menschen zu einem Eintritt in die Partei bewegen konnte, die in Mannheim nunmehr seit 150 Jahren für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit kämpft.

 

Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Mannheim seit 1945

Jakob Trumpfheller | 1945 - 1956

Dr. Ludwig Ratzel | 1956 - 1972

Herbert Lucy | 1972 - 1976  

Karl Feuerstein | 1976 - 1990

Lothar Quast | 1990 - 1998

Manfred Falkenberg | 1998 - 2002

Helen Heberer | 2002 - 2008

Wolfgang Katzmarek | 2008 – heute

Die vorliegende Chronik gibt einen informativen Überblick über 150 Jahre SPD Mannheim. Sie erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch entspricht sie wissenschaftlichen Anforderungen.
Text und Zusammenstellung: Gerhard Noack
Realisation: AG Chronik „150 Jahre SPD Mannheim“
Erscheinungsdatum: 31. März 2017

 
 

Kontakt zur SPD Mannheim

SPD-Regionalzentrum Rhein-Neckar
Bergheimer Str. 88
69115 Heidelberg
Tel:. (06221) 21004
Fax: (06221) 164023
E-Mail kv.mannheim@spd.de

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